Das Internationale VW-Bus-Treffen wird in
die Geschichte von Volkswagen Nutzfahrzeuge eingehen es war ein Event
voller Emotionen, Herzblut und vor allem Liebe für den Volkswagen Bulli.
Unser Dank gebührt den treuen Fans, die aus aller Welt zu uns kamen, um
60 Jahre Bulli zu feiern, sagte Stephan Schaller, Sprecher
des Vorstandes von Volkswagen Nutzfahrzeuge.
Egal, ob als Streifenwagen, klassischer MTW oder KTW, aber auch als
Kleinlöschfahrzeug und neuerdings auch Vorausrüstwagen ist der Bulli
nicht mehr wegzudenken. Klar, dass auch die Autos mit den Sonderlackierungen,
Martinshörnern und Blaulichtern auf dem Gelände der Messe Hannover
nicht fehlen durften. Als bunte Farbkleckse mischten sie sich unter die
Transporter und Wohnmobile. Auffallend dabei, wie liebevoll die Autos in den
letzten Jahrzehnten gepflegt worden sind. Bei einigen Modellen hatte man
geradezu den Eindruck, sie seien erst vor kurzem von den Bändern des nahen
Transporterwerks gerollt. Ein Großteil der Sonderfahrzeuge von einst
befindet sich jetzt aber in Privatbesitz. Und wie stolz die Besitzer auf ihre
roten, grünen und weißen Raritäten sind, konnte man in Hannover
an jeder Ecke des großen Messegeländes sehen.
Eines der ersten Sonderfahrzeuge war neben den Blaulicht-Bullis von Polizei,
Feuerwehr und Sanitätsdienst, die bei der Lorcher Karosseriefabrik Binz
gefertigte Doppelkabine. Die Nachfrage nach solchen Spezialfahrzeugen stieg
über die Jahre derart an, dass Volkswagen die Fertigung dieser Aus- und
Umbauten sukzessiv in die eigene Hand nahm. So produzierten die Hannoveraner ab
1959 die Doppelkabine zum Beispiel in eigener Regie. Das galt auch für
Bullis, die eine berufsspezifische Grundausstattung zur individuellen
Erweiterung hatten.
So kam der Entwicklung des werkseigenen Krankenwagens
(Erstvorstellung im Herbst 1951) beispielsweise eine Änderung der
Karosserie entgegen. Denn zwei Jahre nach dem Erscheinen des ersten
Transporters bekam der Bulli eine Heckklappe. Zudem wurden die
Motorraumhöhe verringert und das Reserverad sowie der Benzintank verlegt.
Das hatte zur Folge, dass die Tragen nun über das Heck des Fahrzeugs ein-
und ausgebracht werden konnten. Die Einrichtung des Modells 27, so der
Insider-Jargon, wurde in den folgenden 15 Jahren kaum verändert.
Sie definierte sich stets durch eine Krankentrage auf einem
linoleumbeschichteten Tragentisch mit Unterbauschrank, ausgestattet mit
Schubläden sowie durch eine zweite gefaltete Trage. Des Weiteren waren ein
Krankentrage-Sessel und zwei Sitze für die Sanitäter mit an Bord.
Blaulicht, Dachlüfter und eine seitliche Einstiegshilfe komplettierten den
Ausbau. Die Einstiegshilfe entfiel Anfang der 60er-Jahre, als es optional eine
Schiebetür anstatt der beiden Klapptüren zu bestellen gab.
Am Ende der Bauzeit lag die Zahl der von Volkswagen produzierten und weltweit
exportierten Krankenwagen schon in den Tausenden.
Mit dem Modell 21F präsentierte Volkswagen Mitte der 50er-Jahre ein
speziell vorbereitetes Tragkraftspritzen-Fahrzeug (TSF-T). Der in RAL 3000
feuerwehrrot lackierte Transporter wurde vor allem mit einem verstärkten
Federpaket ausgestattet, da die mitgeführte Tragkraftspritze und der
zugehörige VW-Industrie- Antriebsmotor das zulässige Gesamtgewicht
gänzlich auskosteten.
Zudem kamen Ausstattungsfeatures hinzu, die die Feuerwehr-Norm verlangte. Dazu
zählten unter anderem Notsitz und Heizung im Geräteraum,
Batteriesteckdose und Türen ohne Schlösser. Ab 1964 wurde der
Feuerwehrwagen nur noch mit dem stärkeren 1,5-Liter-Boxermotor angeboten,
der anfangs 42, später dann 44 PS leistete. Damit waren Geschwindigkeiten
bis zu 100 km/h möglich. Zudem bekam der TSF-T von Werk aus eine
optimierte Bremsanlage.
Anfang der 60er-Jahre wurde dem 21F ein Bruder zur Seite gestellt, der mit
einer Trockenlöschanlage PLA 250 ausgerüstet war. Er kam
hauptsächlich dort zum Einsatz, wo Gase, Flüssigkeiten oder
elektrische Anlagen aufgrund von Überhitzung brannten. Die
Feuerbekämpfung erfolgte über zwei abstellbare Löschpistolen,
die über einen Druckbehälter insgesamt 250 kg Löschmittel
ausschleuderten.
Als Dritter im Blaulicht-Bunde erblickte der werkseigene Po-
lizeiwagen das Licht der Welt. Nach langen Erprobungsjahren im Polizeidienst
kristallisierte sich 1957 ein Transporter heraus, der zur
Verkehrsüberwachung und zum gelegentlichen Gefangenentransport eingesetzt
wurde. Der 23 Kombi SO 4 ließ sich zudem zum Radarwagen,
Kripo-Sondereinsatzfahrzeug und zum Funkstreifendienst einsetzen.
Dennoch blieben über fast zwei Jahrzehnte die Kooperationsverträge
mit den meisten Systemlieferanten bestehen. Zu umfangreich waren
die unterschiedlichen Anforderungen an den Tausendsassa geworden, als dass
Volkswagen jede Nische hätte selbst bedienen können.
Mit dem neuen Modell des Transporters, dem T2, übernahm der Kundendienst
die Koordination und Gesamtverantwortung für die Individualisierung der in
Hannover gefertigten Modelle. 1982 entstand daraus der Sonderwagenbau und in
Folge das Service-Center-Spezialausstattungen, aus der 2003 die Business Unit
Spezialfahrzeuge hervorgehen sollte.
Vertriebsvorstand Harald Schomburg hatte bei der Eröffnung des Festes
bemerkt, dass die Dimension und Internationalität dieses Events gezeigt
habe, dass man eine Fan-Gemeinde habe, deren Loyalität unvergleichlich
ist.
Allein aus dem Ausland kamen 800 Bullis mit 2.500 Personen. Die weiteste
Anreise hat dabei ein Fahrer aus Russland auf sich genommen, der mit seinem
Wagen 2.587 Kilometer zurücklegte. Noch weitere Strecken legten einige
Journalisten zurück: Sie kamen aus Australien, USA und sogar Taiwan nach
Hannover, um über das Kult-Mobil zu berichten. 150 Kuriositäten
konnten Besucher bestaunen, darunter einen als Wassergefährt tauglichen VW
Bus, einen Stretch-Bulli und einen Samba-Bus aus Holz. Und nicht zu vergessen:
Die seit Jahrzehnten bei den Hilfsdiensten eingesetzten Sonderfahrzeuge.
The Who live in Hannover: Das wollten sich auch viele Musiker nicht entgehen
lassen, und so durfte Volkswagen Nutzfahrzeuge zahlreiche
Überraschungsgäste aus der nationalen und internationalen Musikszene
begrüßen: Jerry Meehan und Neil Taylor (Bassist und Lead-Gitarrist
während der Close Encounters Tour von Robbie Williams im Jahr 2006) und
Danny Farrent, Drummer der britischen Punk-Band Buzzcocks, kamen, um ihre
großen Idole zu bestaunen. Auch Klaus Meine und Rudolf Schenker von den
Scorpions ließen es sich nicht nehmen, sich das Konzert anzuschauen und
trafen die Band backstage.
Backstage gaben Moderatorin Barbara Schöneberger sowie Jury-Mitglied
Patrice (MTV) und Schauspieler Manuel Cortez vereinzelte Interviews. Das
Event zeigt, dass wirklich ein ganz besonderer Schlag Menschen Bulli
fährt. Wer einen Bulli fährt, ist cool drauf. Bulli ist ein
Lebensgefühl, sagte Barbara Schöneberger.
Ein so großes Event erfordert nicht nur viel Manpower, sondern auch
einiges an Technik. So wurden 14 Kilometer Zaun aufgebaut und 25 Kilometer
Stromkabel verlegt. Das Equipment für die Live-Shows füllte 140
Sattelschlepper.
Es gab 1.400 Quadratmeter überdachte Bühnenfläche, 55.000
Quadratmeter groß war die Festplatzfläche, die Campingflächen
insgesamt waren stolze 255.000 Quadratmeter groß, und die Volkswagen
Nutzfahrzeuge-Ausstellungsfläche für Bullis 18.500 Quadratmeter.
Die Wirtschaftsbetriebe von Volkswagen Nutzfahrzeuge und viele Partner
versorgten 71.000 Besucher, 550 Journalisten und VIP-Gäste. Allein die
Wirtschaftsbetriebe selber lieferten rund 5.000 Volkswagen Currywürste an
und hatten 80 Kellner und 30 Köche im Einsatz. 15.000 Geschirrteile wurden
auf das Messegelände geliefert. |
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5.100 VW Busse und VW Transporter waren auf dem Gelände der Messe Hannover
beim 60. Geburtstag des VW Bulli. 11.500 Camper aus 28 Nationen zelebrierten
das Fahrzeug
Barbara Schöneberger im Gespräch mit Hannovers OB Stephan Weil vor
einem T5 der Feuerwehr Hannover.
Ein Oldie ist der T1 aus Marling
Der kleine Peter hat noch eine passende Kelle zum T1 Oldie
Der T2 aus dem Jahr 1979 war bei der Werksfeuerwehr VW in Salzgitter im Einsatz

Fast 60 Jahre Geschichte im direkten Vergleich: Der T1 der Freiwilligen
Feuerwehr Tappenbeck und der T5 der Bad Bevensener, der als ELW eingesetzt wird

Ein so genannter werkseigener Krankenwagen aus dem Jahr 1956. Im
Herbst 1951 wurde das Fahrzeug erstmals vorgestellt

Die typische Variante des Katastrophenschutzes, wie sie nicht nur in
Nordrhein-Westfalen eingesetzt wurde

Die achtjährige Meike brachte ihren eigenen Bulli mit

Insgesamt 71.000 Besucher kamen an den drei Tagen zum Messegelände in
Hannover

Typenvielfalt pur. Egal, ob als Bus, Camper oder TSF. Der Bulli ist ein
Stück deutscher Geschichte
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