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Größer, leichter, sparsamer – Nutzfahrzeuge IAA
in Hannover im Zeichen der Ökologie

 

11/2008

Von: Hartmut Holder
Fotos: Hartmut Holder

„Nutzfahrzeuge – für alle unterwegs“ lautete das Motto der

62. IAA Nutzfahrzeuge, zu der vom 25. September bis 2.

Oktober mehr als 2.000 Aussteller aus 48 Ländern nach

Hannover gekommen sind. Die sensationellen Neuheiten

suchte man vergebens. Überwiegend stand die Ökologie

im Vordergrund. Aber mit dem Zetros präsentierte die Marke

mit dem Stern ein interessantes Gefährt fürs schwere

Gelände, während bei VW die Pickup-Studie die Besucher

anlockte. Mit fast 300.000 Gästen aus 110 Ländern hat die

IAA alle bisherigen Messen übertroffen und eine neue Rekordmarke

gesetzt.


 

Mehr als 80 Fahrzeuge auf mehr als 11 500 Quadratmeter Ausstellungsfläche

aller in Europa vertretenen Marken sowie zahlreiche

Weltpremieren in Sicherheits- und Umwelttechnik markierten

den Auftritt der Daimler AG auf der IAA 2008. Highlight

bei den Vans mit Stern war das Showcar Vito BlueEFFICIENCY.

Die attraktiv gestaltete Studie zeigte anhand von zahlreichen

Beispielen das Entwicklungspotenzial des Dieselantriebs im

Transporter. Viele der aufgeführten Innovationen werden bereits

bald in die Serie oder in die Palette der Wunschausstattungen

einfließen. Ehe es eine neue Hülle gibt, bekam der Actros noch

einmal eine Runderneuerung. Für die Feuerwehren dürfte das

neue automatisierte Getriebe namens PowerShift Offroad gewesen

sein.

Der Hingucker schlechthin bei den Sonderfahrzeugen aus dem

Hause Mercedes-Benz war der Zetros. Der allradgetriebene

Hauben-Lkw ist auf den Einsatz unter rauen Bedingungen zugeschnitten.

Bereits Anfang des Jahres war der Zetros in die

bundesweiten Schlagzeilen geraten. Auf einer Erprobungsfahrt

war der Erlkönig auf der Schwäbischen Alb umgekippt. Daimler

versuchte seinerzeit neugierige Fotografen vom ungewöhnlichen

Vehikel fernzuhalten, der aus der Not heraus dann als Unimog

von Daimler verkauft worden ist. Ist er aber nicht. Höchstens

als ein großer Bruder des Unimogs kann man den in Wörth

gebauten Zetros bezeichnen, den es als 18- und 27-Tonner

gibt. Trotz seiner enormen Bodenfreiheit wird das Luft- und

Bahnverladeprofil eingehalten. Die ersten Zetros sind von der

bulgarischen Armee geordert worden.

Ebenfalls interessant: Ein Mercedes-Benz Econic NGT mit Erdgasantrieb

als Basis eines Hybridantriebs. Er ist von Haus aus

bereits umweltfreundlich, erfüllt er doch nicht nur die EU-Abgasrichtlinie

Euro 5, sondern den nochmals strengeren Umweltstandard EEV. Auf Wunsch kann das Fahrzeug mit dem

Umwelt-Prüfsiegel „Blauer Umweltengel“ ausgezeichnet werden.

Ausstellungsfahrzeug war ein dreiachsiges Fahrgestell des

Typs Mercedes-Benz Econic NGT Hybrid 2628 NLA mit Nachlaufachse.

Der Reihen-Sechszylindermotor des Typs M 906 LAG

ist nach EEV eingestuft und leistet aus 6,9 Liter Hubraum 205

kW (279 PS). Das maximale Drehmoment des aufgeladenen

Triebwerks beläuft sich auf 1 000 Nm. Vor dem Getriebe ist analog

zum Econic BlueTec Hybrid der Elektromotor eingebaut, seine

Daten belaufen sich ebenfalls auf 44 kW Leistung und 420

Nm Drehmoment.

Mit einem eigenen Stand war Empl in Hannover vertreten. Der

österreichische Hersteller produziert seit 60 Jahren Sonder-Aufbauten

und Anhänger. Für das THW, Fachgruppe Führung und

Kommunikation, fertigte EMPL 25 Führungs- und Komnikationskraftwagen

(FüKomKW). Sieben weitere baugleiche Aufbauten

wurden für die Feuerwehr Hamburg geliefert. Der auf der IAA

präsentierte FükomKW hatte einen isolierten Kofferaufbau, der

in einen Geräte- und Betriebsraum unterteilt ist. Als Fahrgestell

dient ein MAN TGL 12.210 4x2.

Hingucker bei Empl war ein Industrielöschfahrzeug. Das ULF

1.000/2.500/1.000-TLA mit Löscharm wurde auf der IAA offiziell

an die Werkfeuerwehr der Borealis AG übergeben. Der MAN

TGA 26.440 6x4H-2 BL verfügt als europaweite Besonderheit

über einen von Empl entwickelten Teleskop-Löscharm mit einem

Schwenkwinkel von 385 Grad. Um einen schnellen Löschvorgang

sicherzustellen, befindet sich auf der Löscharmspitze

ein Monitor mit Funkfernsteuerung und Hohlstrahl-Düse für

Pulver- sowie Wasser- und Schaumeinsätze. Die Steuereinheit

im Heck ist mit einer Schnellangriffseinrichtung ausgestattet.



Dort befinden sich außerdem zwei Anzeigemonitore, welche die

Daten des am Löscharm eingebauten Kamerasystems mit Fernübertragung in die Einsatzzentrale übermitteln. Zu den weiteren

Ausstattungselementen zählen neben einem 1.000-Liter-Wasserund

einem 2.500 Liter Schaumtank eine 1.000-Kilogramm-

Pulverlöschanlage sowie ein Fire-Dos Schaumzumischsystem.

Bei seiner Weltpremiere in Hannover präsentiert sich der Fiat

Ducato Natural Power dem Messepublikum als Maxi Hochraumkastenwagen

mit mittlerem Radstand. Sein 3,0-Liter-Motor leistet

im Erdgasbetrieb 100 kW (136 PS) und erreicht ein maximales

Drehmoment von 350 Nm bei 1.500 U/min. Mit einer

Höchstgeschwindigkeit von 153 km/h, einer Beschleunigung

von 0 auf 100 km/h in 13,9 Sekunden und einem Verbrauch von

9,3 kg/100 km CNG (Compressed Natural Gas) präsentierte sich

der Fiat Ducato Natural Power dem Publikum.

Ein 15-Liter Benzin Tank garantiert in der Betriebsart „Recovery“

sichere Mobilität bis zur nächsten Erdgastankstelle. Die insgesamt

220 Liter fassenden fünf Gasflaschen unter dem Laderaumboden,

die rund 40 Kilogramm wiegen, ermöglichen eine

Reichweite von 400 Kilometern und schränken durch ihre

Einbaulage die Ladekapazität des Transporters nicht ein.

Die dritte Generation des Ducato präsentierte Fiat mit einem

Großraumkastenwagen namens Maxi mit langem Radstand und

2.3-Liter Turbodiesel mit 88 kW (120 PS) sowie als neunsitzige

Panorama-Version mit dem 116 kW (157 PS) starken 3,0-Liter-

Turbodiesel.

Auf großes Interesse am optisch sehr aufwändig gestalteten Messestand

ist das mit einem so genannten „Tridem-Transport-

Anhänger“ ausgestellte Wechselsystem gestoßen. Die beiden

Wechselaufbauten „Ambulanz“ und „Feldkabelshelter“ mit eigens

entwickeltem Off-Road Hecklift können unter anderem

auf einem Unimog montiert werden. Das Wechselsystem ist

nicht nur für den logistischen Einsatz geeignet. Auch für die Feuerwehren

ist es durchaus sinnvoll, vor allem im Bereich Rüst-,

Waldbrand-, Schlauchwagen.

Eine Fülle von Neuigkeiten präsentierte Ford auf der IAA, darunter

auch eine Weltpremiere: die zweite Generation des Fiesta

Van. Es handelte sich bei dem Messefahrzeug bereits um

die Serienversion, basierend auf dem neuen Ford Fiesta, der

in Deutschland in wenigen Wochen bei den Händlern stehen

wird. Der Markteinführungstermin für die Nutzfahrzeugvariante

ist in Deutschland voraussichtlich Anfang 2009. Künftig ist

der Ford Transit mit Allradantrieb, den Ford AWD (All Wheel

Drive) nennt, verfügbar. Das System funktioniert automatisch,

das heißt, ohne dass der Fahrer tätig werden muss. In Abhängigkeit

von der Traktion des Untergrundes wechselt der AWD

zwischen Zweirad- (Hinterachse) und Vierradantrieb (Hinter- und

Vorderachse). Seit Oktober gibt’s auf Wunsch einen wartungsfreien,

Dieselpartikelfilter. Außerdem hat Ford dem 2,2-Liter-TDCi-

Dieselmotor mit 81 kW/110 PS (verfügbar für die Varianten mit

Frontantrieb) 4 kW, beziehungsweise 5 PS mehr gegönnt. Apropos

Motoren: Für den Ford Transit stehen sieben Diesel-Triebwerke

zur Auswahl, drei für Frontantrieb und vier für Heckantrieb.

Das Leistungsspektrum reicht von 63 kW/85 PS bis 147

kW/200 PS.

Die Allradvariante wird mit dem 2,4-Liter-TDCi-Diesel (103 kW/

140 PS) kombiniert. Darüber hinaus ist, in Verbindung mit Heckantrieb,

ein 2,3-Liter-Benziner (107 kW/145 PS) im Programm.

Dieser Motor ist zugleich das Basisaggregat für den Ford Transit

CNG (Erdgas) und für den Ford Transit LPG (Flüssiggas/Autogas).

In Abhängigkeit von der Anzahl der Tanks, der Erdgasbeschaffenheit,

der Fahrweise sowie den Straßen- und Verkehrsverhältnissen

reicht der Erdgasvorrat für über 300 Kilometer.

Hinzu kommt, unabhängig von der Karosserie-Variante

und dem Radstand, jeweils der serienmäßige 80-Liter-Benzintank,

so dass die Gesamtreichweite des Ford Transit CNG über

1.000 Kilometer betragen kann. Mit dem Flüssiggas-Antrieb

kommt man ebenso weit.

Ein Highlight auf dem MAN Messestand stellten die neuen

AGR-Motoren für Euro 5 dar. Damit erfüllt MAN fristgerecht sein

Versprechen an die internationale Kundschaft, die strenge Abgasnorm

auch ohne zusätzlichen Betriebsstoff und ohne aufwändige

Abgasnachbehandlung erfüllen zu können. Diese Common

Rail-Motoren für leichte, mittelschwere und schwere Lastkraftwagen

kommen ohne AdBlue aus. Zu sehen war auch ein

Löschfahrzeug mit Ziegler-Aufbau und der serienmäßigen MANKabine

mit Platz für eine Staffel mit dieser Motorisierung. Die

strenge Abgasnorm Euro 5 und der freiwillige Umweltstandard

EEV stellen die Motorenentwickler vor große Herausforderungen.

Vor allem dann, wenn sie auf eine aufwändige Abgasnachbehandlung

mit dem zusätzlichen Betriebsstoff AdBlue

verzichten wollen.

Die MAN Motorenentwickler setzen zur Erreichung von Euro 5/

EEV auf eine Lambda-geregelte Abgasrückführung (AGR) mit

Rückführraten von 30 Prozent und mehr, auf eine zweistufige

Aufladung mit indirekter Zwischen- und Hauptladeluftkühlung

sowie auf die Common Rail-Technologie mit hohen Einspritzdrücken

von bis zu 1800 bar. Die hohe AGR-Rate sorgt in Verbindung

mit einer verbesserten Kühlung des rückgeführten Abgases

für eine niedrigere Temperatur des Frischluft-/Abgasgemisches

im Verbrennungsraum des Zylinders. Damit entstehen

bereits bei der Verbrennung weniger Stickoxide. Dank der neuen

AGR-Regelung mit Hilfe einer Lambda-Sonde wird auch unter

dynamischen Bedingungen für jeden Betriebspunkt des Motors

die optimale AGR-Rate eingestellt. Das garantiert einen

besonders hohen Wirkungsgrad und einen außerordentlich sparsamen

Umgang mit dem kostbaren Dieselkraftstoff.

Natürlich drehte sich nicht alles nur um Motoren. Die leichten

und mittelschweren Lkw von MAN präsentierten sich zur IAA

2008 komplett überarbeitet. Drei Jahre nach ihrer Einführung

tragen sie jetzt das neue Familiengesicht, das sie an die schweren

Brüder TGX und TGS angleicht. Technisch steckt aerodynamische

Feinarbeit dahinter, um den Luftwiderstand und die

Windgeräusche weiter zu minimieren. Grundsätzlich bleibt der

Rohbau der TGL- und TGM-Kabinen erhalten. Neue Bezugsstoffe

und Verkleidungen sollen den Innenraum weiter aufwerten.

Neben einem Multifunktionslenkrad gibt es zudem in den

neuen Häusern weitere Ablagefächer.

Noch nie zuvor in der Geschichte der Löwenmarke vermarktete

Peugeot ein breiteres und jüngeres Nutzfahrzeug-Portfolio.

Kein Modell ist derzeit älter als zwei Jahre. Interessant war die

Europapremiere Partner Silhouette: Mit seiner zusätzlichen Differenzialsperre

an der Antriebsachse ist das Fahrzeug preiswerter und leichter als ein Allrad, aber dennoch traktionssicherer

als die Standardversion.

Weltpremiere feierte bei Volkswagen der Caddy 4MOTION

auf der IAA in Hannover, der jetzt auf Wunsch über einen permanenten

Allradantrieb verfügt. Gegenüber der frontgetriebenen

Version wurde der Caddy 4MOTION in zahlreichen Punkten

modifiziert und mit neuen technischen Elementen ausgerüstet.

Neben der elektronisch geregelten Haldex-Kupplung der

vierten Generation gehören dazu eine Kardanwelle, eine an das

Hinterachsdifferenzial und die Kardanwelle angepasste Abgasanlage,

ein neu konzipierter Kraftstofftank und Verstärkungen

im hinteren Karosserie-Längsträger.

Ideal auf den Einsatz im Caddy 4MOTION zugeschnitten sind

zudem das manuelle Sechsgang-Getriebe, der serienmäßige

Berganfahr-Assistent sowie das ebenfalls serienmäßige elektronische

Stabilisierungsprogramm ESP. Während die Vorderachse

komplett vom frontgetriebenen Caddy übernommen werden

konnte, musste die hintere Starrachse für den Einsatz des

Allradantriebes weitreichend modifiziert werden.

Zur Serienausstattung zählen in Deutschland unter anderem

die rechte Schiebetür im Fond, die man auf Wunsch auch links

ordern kann. Wahlweise ist zudem eine nach oben öffnende

Heckklappe oder eine geteilte Hecktür lieferbar. Angetrieben

wird der Allrad-Caddy von einem Vierzylinder-Turbodiesel mit

77 kW/105 PS.

Nach der Einführung des Caddy BlueMotion im Frühjahr 2008

zeigte Volkswagen mit der Studie des Crafter BlueMotion,

welches Einsparpotential auch bei großen Kastenwagen erreicht

werden kann. Beim Crafter BlueMotion wird durch den

Einsatz von AdBlue-Technik nicht nur der Grundstein für eine

Verbrauchsreduzierung von einem Liter gelegt, sondern auch

die Grenzwerte der Abgasnorm Euro 5 erreicht.

Als Highlight präsentierte Volkswagen in einer Weltpremiere

das Showcar eines Pickup der Ein-Tonnen-Klasse. Das Konzept

gibt einen Ausblick auf die vierte Modellreihe des Nutzfahrzeugherstellers.

Der in dieser Art erste Pickup eines europäischen

Volumenherstellers soll neue Maßstäbe in seinem

Segment setzen.

Die Schwerpunktmärkte für die künftige Baureihe sind jedoch

Südamerika, Südafrika und Australien. Die Produktion des neuen

Pickup wird ab Herbst 2009 im argentinischen Volkswagen

Werk „Pacheco“ anlaufen. Das 5,18 Meter lange Showcar wurde

komplett neu entwickelt. In Sachen Breite punktet der Pickup

im Heckbereich. Anders als beim direkten Wettbewerb kann

auf der Ladefläche eine Euro-Palette problemlos auch quer geladen

werden. Das als automobiler Lebensretter ausgelegte

Showcar verfügte sowohl im Exterieur als auch im Innenraum

über Rettungs-Equipment, das freilich mehr auf Show, denn

auf Funktionalität ausgelegt war. Für die Hilfsdienste dürfte

das Fahrzeug aber auch in Europa nicht komplett uninteressant

sein.

 

 




Voll geländegängig ist der Zetros von Daimler


42 Jahre automobile Feuerwehrgeschichte: das moderne TSF-W auf DB Vario 816 mit Allradantrieb und Ziegler-Aufbau


Das LF

8 der Freiwilligen Feuerwehr Mascherode bei Braunschweig. Ebenfalls Ziegler baute den Aufbau 1966 auf den LF 408, der 80 PS leistete


Hingucker bei Empl war ein Industrielöschfahrzeug für die Werkfeuerwehr

Borealis


TLF 20/50 auf einem Unimog U 5000. Den 14-Tonner hat Empl für

das Land Brandenburg aufgebaut


Unimog mit Wechselsystem: Empl zeigte in Hannover ein Wechselsystem

für den Offroadeinsatz


Weltpremiere

feierte MAN mit

seinen neuen

AGR-Motoren

für Euro 5

Die serienmäßige

Staffelkabine

von MAN

 


Auf einem Sprinter hat der estnische Hersteller Silwi seinen auffälligen

RTW aufgebaut


Ford zeigte auf der IAA einen Mannschaftstransportwagen mit Erdgasantrieb


Auch Oldtimer können bei einer Neuwagenmesse begeistern: der Magirus „Merkur“-Löschzug der Berufsfeuerwehr Braunschweig aus

dem Jahr 1958. Mit 125 PS ging es damals zum Einsatz!


Einen Blick in die nahe Zukunft gewährte Volkswagen mit seinem Pickup

 



 


VW Crafter 50 mit 2,5 TDI Dieselmotor und Sechsgang-Shiftmatic

und TSF-W-Aufbau