|
|
Wohn-/Geschäftshausbrand in Lahnstein, drei leicht verletzte Feuerwehrmänner, hoher Sachschaden
|
01/2010
Von: Klaus Gitzen
Fotos: Feuerwehr Lahnstein |
| Am Mittwoch, 24.
Juni 2009 gegen 18.14 Uhr wurde die Freiwillige Feuerwehr Lahnstein von der
Integrierten Rettungsleitstelle Montabaur mit dem Einsatzstichwort: Feuer
3, Eilbedürftig, Menschenleben in Gefahr, Wohnhausbrand,
alarmiert. |
|
Die Stadt Lahnstein, große
kreisangehörige Stadt, ca. 20.000 Einwohner, eingestuft in Risikoklasse B
4 (Brandgefahr), verfügt über 102 Wehrangehörige und einen
entsprechenden Fahrzeugpark.
Das betroffene Brandobjekt, ein dreigeschossiges Wohn/Geschäftshaus, wurde
ca. 1920 erbaut und liegt im Stadtkern. Es wurde von einer Familie in den
Obergeschossen bewohnt. Im Erdgeschoss war ein Obst-, Gemüseladen
eingerichtet.
Zum Zeitpunkt des Brandausbruches befand sich das Ehepaar mit einem Kind im
Obergeschoss.
Gemäß der Alarm- und Ausrückordnung (AAO) löste die
Alarmstufe F 3 die Alarmierung beider Löschzüge (ELW 1,
LF 16/12, LF 16-TS, DLK 23-12) und (MTW, TLF 16/24, LF 8, MZF 2, TSF) aus. In
einem Feuerwehrgerätehaus fand Gerätedienst statt, somit waren
bereits drei Minuten nach dem Alarm die ersten Hilfskräfte vor Ort.
Auf der Anfahrt war eine schwarze, sehr hohe Rauchsäule über dem
Stadtgebiet sichtbar. Die Frontalansicht vom Haus Adolfstraße 37 ergab
einen Vollbrand in den oberen Stockwerken, Teile des Dachstuhles waren bereits
vom Feuer erfasst. Das hölzerne Treppenhaus war nicht mehr begehbar. Die
Rückseite des Gebäudes zeigte den Vollbrand von zwei
Geräteschuppen.
Die meterhohen Flammen drangen in das Wohnhaus Adolfstraße 37 ein und
schlugen in das Nachbargebäude Adolfstraße 35, (EG. Apotheke, 1. OG
Arztpraxis, 2. und 3. OG Wohnungen) über. Das benachbarte Wohnhaus
Adolfstraße 39 war durch bauliche Maßnahmen von einem
Feuerüberschlag geschützt.
Durch die Vielzahl der eingehenden Notrufe und die Angaben von mehreren
verletzten Personen entsandte die ILst einen weiteren RTW und NEF zur
Einsatzstelle. Die geflüchteten, verletzten, unter Schock stehenden
Bewohner des Brandobjekts, wurden von Kräften des Rettungsdienstes betreut
und versorgt.
Die Erkundung ergab nach der Gefahrenmatrix folgende Schwerpunkte:
Personensuche und Rettung in den drei betroffenen Gebäuden, die
Gesundheitsgefährdung durch Brandrauch, Ausweitung des Schadensfeuers und
die Gefährdung der Mannschaft durch Strahlungshitze. Die Einsatzstelle
wurde in Abschnitte eingeteilt, es wurde mit der Personensuche und der
Brandbekämpfung begonnen. Die Einsatzleitung wurde mit dem ELW 1 und dem
Fü-Personal auf dem kleinen Parkplatz der Stadthalle eingerichtet.
Der Abschnitt Adolfstraße umfasste die Kontrolle des Wohnhauses
Adolfstraße 39 auf Bewohner sowie Feuer- und Rauchausbreitung im
Gebäude. Ebenso wurde die Brandbekämpfung im Außenangriff mit
dem Löschzug am Gebäude Adolfstraße 37 eingeleitet. Der zweite
Löschzug wurde zur Brandbekämpfung auf der Hofseite des Brandobjekts
eingesetzt. Es brannte bereits das Flachdach des Arztpraxenanbaus
Adolfstraße 35. Die Flammen schlugen in die Arztpraxis im 1. OG des
Hauptgebäudes. Die Strahlungshitze ließ die Glasscheiben der Fenster
und Türen reißen und entzündete die Kunststoffdächer auf
den Balkonen im 2. und 3. OG. Die Giebelbrandwand verhinderte nicht ein
Übergreifen auf das Dach des Geschäftshauses. Es bestand die Gefahr
der Brandausdehnung auf Haus Adolfstraße 35 und somit des Totalverlusts
des zweiten Objekts.
Der Einsatzleiter alarmierte die FF Bad Ems (Löschzug, MZF 3/ Atemschutz)
und die FF Braubach. Die FF Braubach übernahm den Abschnitt Wohn- und
Geschäftshaus Adolfstraße 35. Die Wasserversorgung für die DLK
23-12 aus Bad Ems und für den Löschzug der FF Braubach wurde aus
einem Hydrant aus der ca. 200 m entfernten Hochstraße sichergestellt.
Somit war die Löschwasserversorgung aus dem städtischen Wassernetz
stabil.
Polizeibeamte und Mitarbeiter des Baubetriebshofes sicherten die Einsatzstelle
großräumig ab. Der Verkehr brach innerhalb kürzester Zeit im
Ortsteil Oberlahnstein zusammen. Die nachalarmierte SEG des Rhein-Lahn-Kreises
waren mit der Evakuierung, Verpflegung und Betreuung der Anwohner beauftragt.
In der Stadthalle wurde eine Betreuungsstelle eingerichtet. Mitarbeiter der
Stadtverwaltung und Oberbürgermeister Peter Labonte kümmerten sich um
Ersatzwohnstätten für die betroffenen Bewohner.
Aufgrund der starken Rauchentwicklung und dem hohen Verbrauch an
Pressluftatmern und Trägern, wurde ein
Atemschutzgeräteträgersammelplatz (ASST) eingerichtet. Die Einheit
der FF Bad Ems stellte die kreiseigenen Pressluftatmer aus dem MZF 3 und
Reservegeräteträger zur Verfügung. Eine Ruhezone, mit Aufnahme
von Getränken stand für das Personal bereit. Ebenso wurde in der
Stadthalle ein Verpflegungsstand für das eingesetzte Personal
eingerichtet.
Die Sanitätskräfte versorgten insgesamt drei Verletzte. Ein
Feuerwehrmann hatte eine Schnittverletzung an seiner Hand, ein anderer eine
Bänderdehnung am Fuß. Ein Kamerad musste mit Verdacht einer
Rauchgasvergiftung zur Überwachung ins Krankenhaus.
Der Großeinsatz von ca. 120 Helfern erzeugte großes
Medieninteresse. Reportagen und Filmaufnahmen waren innerhalb kürzester
Zeit im Internet zu verfolgen.
Durch den schlagkräftigen Einsatz mehrerer C- und B-Strahlrohre sowie zwei
Wasserwerfern, konnte nach ca. einer Stunde Brand unter Kontrolle
gemeldet werden. Ab 21.00 Uhr wurden die Nachbarwehren aus dem Einsatz
ausgelöst, verpflegt und nach Hause entlassen.
Das THW-OV-Lahnstein wurde mit der Ausleuchtung der Einsatzstelle beauftragt.
Die Nachlöscharbeiten zogen sich bis in die Morgenstunden des Folgetages
hin. Die Sicherung der Einsatzstelle und die Unterstützung der Kripo bei
der Brandermittlung dauerte bis in die Mittagzeit.
Fazit aus Sicht der Feuerwehr: Der größte Wohnhausbrand in Lahnstein
nach Kriegsende wurde durch die Schlagkraft der eingesetzten Feuerwehren auf
das vorgefundene Maß begrenzt und im Innen- und Außenangriff
gelöscht. Leider ließ sich nicht verhindern, dass die Nachbarschaft
durch die starke Strahlungshitze in Mitleidenschaft gezogen wurde. Brandursache
unbekannt. |
|


Bilder vom Einsatzgeschehen


|
|
| Insgesamt waren über 20 Fahrzeuge mit
entsprechender Mannschaft im Einsatz: |
Feuerwehr Lahnstein: ELW 1, LF 16/12, LF
16-TS, DLK 23-12, TLF 16/24, LF 8, MZF 2, TSF, MTW
Rhein-Lahn-Kreis: KFI mit Kdow
Feuerwehr Bad Ems: DLK 23-12, TLF 16/25, LF 8, MZF 3/ATS
Feuerwehr Braubach: TLF 16/24, ELW 1, MTW-P, TSF-W, TSF
THW-OV Lahnstein: GKW, Kipper mit Kran, Beleuchtungssatz,
Notstromerzeuger 42 kVA,
Rettungsdienst: NEF, RTW
SEG Rhein-Lahn: 4 Fahrzeuge
Polizei: Streifenwagen, Kripo |
|
|
Lageplan
|
|