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Großeinsatz wegen Chemie-Unfalls

Im Berufsschulzentrum Heidenheim brach eine mit Phosphor-Trichlorid gefüllte Flasche

01/2010

Von: Klaus-Dieter Kirschner
Fotos: Klaus-Dieter Kirschner

Bis zu 60

Schüler klagten am 15. Oktober 2009 nach einem schweren Chemieunfall im

Berufsschulzentrum über Atemwegsbeschwerden. 15 von ihnen wurden mit

Rettungswagen in umliegende Kliniken gebracht. Die Verletzten mussten dort

mindestens 24 Stunden unter Beobachtung bleiben.


 

Um 11.11 Uhr wurde durch die

Leitstelle Großalarm für die Feuerwehren aus Heidenheim,

Mergelstetten und Schnaitheim gegeben. Wenig später wurden alle denkbaren

Kräfte der Rotkreuz- Schnelleinsatzgruppen aus Heidenheim und Giengen

mobilisiert sowie eine noch unklare Zahl von Rettungswagen, die teils von

Langenau und Ulm nach Heidenheim brausten.


Im Berufsschulzentrum im Heckental war es zu einem Chemie- Unfall gekommen. Ein

Hausmeister hatte mit einem Handwagen, dessen Ladefläche nicht gesichert

war, Waren verteilt. Darunter waren auch Chemikalien für den

Lehrmittelraum. Auf dem Klinkerboden kam eine mit Phosphor-Triochlorid

gefüllte Flasche in Rutschen, kippte auf den Boden und ging zu Bruch. Die

pulverartige Chemikalie breitete sich aus. Als der Hausmeister versuchte mit

Wasser das Pulver aufzuwischen, kam es zu einer heftigen Reaktion, bei der sich

hochgiftige Phosphorsäuredämpfe entwickelten. Augenblicke später

wurde im Schulzentrum Evakuierungsalarm ausgelöst.


Wie Oberstudiendirektor Jakob Müller später gegenüber der

Einsatzleitung von Feuerwehr, Polizei und Rotem Kreuz sagte, wurden mehr als

1200 Schüler evakuiert und später teils ohne ihre Schulsachen nach

Hause geschickt. In der Turnhalle war Sammelplatz für alle Verletzten. Der

Leitende Notarzt Dr. Köberer nahm zusammen mit einem Oberstabsarzt aus dem

Bundeswehrkrankenhaus Ulm, der mit einem Rettungshubschrauber eingeflogen

worden war, und Notarzt Dr. Sommer (Bartholomä) die Triage, also die

Sichtung der Verletzten vor. Ein Großteil wurde ambulant durch 15

Angehörige der Schnelleinsatzgruppen betreut. Bis zu 15 Schüler

wurden mit Sondersignal in Rettungswagen weggebracht. Die Opfer galten als

mittelschwer verletzt. Bleibende Schäden an den Atemwegen aber schloss der

Leitende Notarzt aus. Die Patienten mussten über Nacht in einer der

Kliniken in der Region bleiben, da ein Lungenödem noch nach 24 Stunden

hätte auftreten können. Den Rotkreuz-Einsatz leitete Torsten Hanzik.



Die Feuerwehr Heidenheim bot den Gefahrgutzug mit zehn Fahrzeugen und 60

Einsatzkräften, dazu einen Einsatzleitwagen, auf. Mit Sondersignal wurde

aus Steinheim der Chemie-Fachberater Gerd-Ludwig Schmidt an den

Unglücksort geholt.


Weiträumig war alles abgesperrt. Unter Vollschutz schwerer und leichter

Schutzanzüge wurde Gefahreneingrenzung betrieben.


Kreisbrandmeister Rainer Spahr koordinierte alle Maßnahmen. Auch wurden

später Hochleistungslüfter eingesetzt. Nach etwa einer Stunde konnte

die havarierte Flasche und die Chemikalie geborgen und in einem Spezialfass aus

dem Gerätewagen Gefahrgut verladen werden. Bei der Firma Sigma-Aldrich in

Steinheim wurde die brisante Ladung am Nachmittag entsorgt.


An den Unglücksort waren Landrat Hermann Mader, Kreiskämmerer Roland

Fuchs und Dezernent Georg Feth geeilt. Sie ließen sich über das

Ausmaß unterrichten, sprachen den Verletzten Trost zu und kündigten

eine Überprüfung der Transportsituation im Schulzentrum an. Mit

großer Sicherheit bräuchte das Wägelchen eine Art Reling, damit

nichts mehr herunterrutschen kann.


Sowohl Hermann Mader als auch Schulleiter Jakob Müller zeigten sich froh,

dass die Zahl der Verletzten in Relation zur Schülerzahl „erfreulich

gering“ war und dass die Einsatzkräfte „hervorragende Arbeit

geleistet haben.“ Gegen 13.30 Uhr schaltete die Feuerwehr ihre

Überdruckbelüfter ab und beendete den Einsatz. Morgens öffnet

das Schulzentrum wieder.


 

 

 


Mehrere hundert Schüler mussten das Heidenheimer Berufsschulzentrum nach

dem Evakuierungsalarm verlassen. Im Foyer hatte sich nach einer Havarie eine

Chemiewolke entwickelt. 60 mehr oder minder Atemwegsverletzte durften der

Betreuung durch die Notärzte und Rettungssanitäter. Drei Personen

waren länger als 48 Stunden im Kreiskrankenhaus Heidenheim



Wechsel der Einsatzkleidung unter freiem Himmel vor dem Heidenheimer

Berufsschulzentrum wegen eines Chemieunfalls. Feuerwehrleute zwängen sich

in ihre Vollschutz-Anzüge, um danach auf Erkundung zu gehen und Proben zu

ziehen



Wechsel der Einsatzkleidung unter freiem Himmel vor dem Heidenheimer

Berufsschulzentrum wegen eines Chemieunfalls. Feuerwehrleute zwängen sich

in ihre Vollschutz-Anzüge, um danach auf Erkundung zu gehen und Proben zu

ziehen