Lage
beim Eintreffen
StBM Karl Weiß fuhr die Einsatzstelle direkt an, traf zwei Minuten nach
der Alarmierung an der Einsatzstelle ein und übernahm die Einsatzleitung.
Für ihn bot sich folgende Lage: Brand des Dachstuhles in einem Wohn- und
Geschäftshaus in reihenhausartiger Bebauung mit zwei angrenzenden
Objekten. Das Brandobjekt befindet sich im historischen Altstadtbereich,
Brandmauern sind keine vorhanden. Beim Eintreffen war eine starke
Rauchentwicklung zu erkennen. Die Dachhaut war noch geschlossen.
Die Eigentümer sowie eine Mieterin mit Kind waren vor dem Objekt. Der
Eigentümer selbst war durch einen Knall auf den Brand aufmerksam geworden,
alarmierte die Feuerwehr und startete Löschversuche. Obwohl diese
Betroffenen vor Ort waren, konnte niemand konkret aussagen, ob sich in der
extrem verrauchten Mietswohnung noch Personen befinden.
Des Weiteren bestand die Gefahr der Ausbreitung zu den angrenzenden
Häusern sowie beim Branddurchbruch im Dachbereich eine Gefahr für die
Bebauung auf der Gebäuderückseite durch Wärmestrahlung und
Funkenflug.
Nach dem Eintreffen des RTW 4/83-1 wurde aufgrund der Rückmeldung des
Rettungsassistenten umgehend das NEF 1/82-1, der RTW 3/83-1 sowie der KTW
1/85-7 zur Einsatzstelle beordert. Um 11.03 Uhr forderte der OrgL
Rettungsdienst zur Unterstützung den OV Herbolzheim an.
Einsatzablauf
Nach der Alarmierung rückte gemäß der AAO der FF Abt. Kenzingen
der ELW 2, TLF 16/25, die DLA (K) 23-12 GL CS sowie das HLF 24/20 aus. Aufgrund
der gegebenen Lage fuhr zusätzlich das LF 16/12 sowie das MTW die
Einsatzstelle an.
Einsatzleiter Karl Weiß orderte das TLF 16/25 in die Metzgerstraße,
um von der Gebäuderückseite (Kronengasse) die verrauchten oberen
Geschosse mit zwei Atemschutztrupps nach Personen absuchen zu lassen.
Zeitgleich mit dem TLF 16/25 traf die DLA (K) 23/12 GL CS an der Einsatzstelle
ein, in kurzer zeitlicher Folge das HLF 24/20 sowie das LF 16/12. Die
Drehleiter wurde auf der Hauptstraße, welche mittlerweile von der Polizei
voll gesperrt wurde, vor dem Brandobjekt positioniert. Um ggf. die Trupps des
TLF 16/25 bei der Menschenrettung zu unterstützen, besetzte ein
PA-Träger den Rettungskorb und baute selbstständig eine Leitung mit
CHohlstrahlrohr zur Eigensicherung auf. Die Drehleiter hielt sich, um schnell
reagieren zu können, im Bereich der Fensterfront auf, um ggf. verletzte
Personen aufnehmen zu können. Parallel wurde der Dachbereich beobachtet
ein Außenangriff wäre aufgrund der noch verschlossenen
Dachfläche nicht sinnvoll gewesen.
Nach kurzer Zeit waren die Räume rauchfrei gemacht und von den vorgehenden
Trupps abgesucht. Glücklicherweise bestätigte sich der Verdacht nach
vermissten Personen nicht. Binnen Sekunden spitzte sich im Dachbereich die Lage
zu. Unter den Ziegeln der angrenzenden Gebäude quoll Rauch hervor, die
Rauchentwicklung aus dem Brandobjekt nahm zu, der Rauch verfärbte sich
zunehmend, worauf der Einsatzleiter umgehend die FF Herbolzheim mit TLF 16/25
und Drehleiter nachalarmierte sowie in kurzer Abfolge die Abteilungen
Hecklingen, Nordweil und Bombach.
In diesen Minuten durchbrach das Feuer durchzündungsartig die Dachhaut und
begann sich bereits auf Teile der angrenzenden Dächer auszubreiten. Im
gleichen Augenblick hatte die Drehleiterbesatzung das Wenderohr aufgesetzt und
begann die Brandbekämpfung und Riegelstellung. Versorgt wurde diese durch
das HLF 24/20. Die Trupps des TLFs gingen zur Brandbekämpfung ins
Dachgeschoss des eigentlichen Brandobjektes vor. Der Angriffstrupp des HLF
übernahm die Riegelstellung im Dachgeschoss des südlich angrenzenden
Wohngebäudes und konnte binnen Minuten eine weitere Ausbreitung
verhindern. Ebenso zeigten der Wenderohreinsatz sowie der Innenangriff im
Brandobjekt selbst seine Wirkung. Mittlerweile traf KBM Jörg Berger an der
Einsatzstelle ein.
Abteilungskommandant der Abt. Kenzingen, Markus Kaspar, übernahm den
Einsatzabschnitt Hauptstraße als EAL. Das LF 16/12 stellte die
Wasserversorgung für das HLF her und unterstützte das HLF sowie das
TLF mit Atemschutzgeräteträgern.
Der mittlerweile eingetroffenen FF Herbolzheim, unter der Leitung von HBM
Martin Hämmerle, wurde der Einsatzabschnitt Nord zugeteilt, was einen
Innenangriff ins Dachgeschoss des nördlich angrenzenden Objektes zur Folge
hatte. Nach kurzer Zeit konnte auch hier eine weitere Ausbreitung gestoppt
werden.
In Absprache mit EL Karl Weiß forderte EAL Hämmerle weitere
Kräfte aus Herbolzheim nach, um genügend
Atemschutzgeräteträger als Reserve verfügbar zu haben. Die FF
Kenzingen wurde im Atemschutzbereich von den Kräften der Abteilungen
Nordweil, Hecklingen und Bombach unterstützt. Bereits während der
Löscharbeiten wurde in den betroffenen Gebäuden anfallendes
Löschwasser aufgenommen, um Wasserschäden zu minimieren.
Um 11.07 Uhr konnte Dachstuhlbrand weitere Ausbreitung
verhindert gemeldet werden. Die Nachlöscharbeiten dauerten mehrere
Stunden. Eine Brandwache war bis zum nächsten Morgen vor Ort.
Kurz nach dem der EL an der Einsatzstelle eintraf wurde die EnBW angefordert,
um die Gebäude stromlos zu schalten. Die Schutzpolizei war mit sieben
Beamten vor Ort, die Kripo mit drei Beamten. Das THW OV Emmendingen war an
diesem Morgen in seiner Unterkunft an der südlichen Ortseinfahrt von
Kenzingen tätig und übernahm spontan in Absprache mit der Polizei die
Vollsperrung der Innenstadt.
Bürgermeister Matthias Guderjan sowie der gesamte Stadtrat waren an diesem
Tag auf einer Klausurtagung und machten sich nach ihrer Rückkehr ein Bild
am Ort des Geschehens.
Bei diesem Einsatz gab es zwei Leichtverletzte (Rauchgasinhalationen), die
allerdings nach der Untersuchung durch den NA keiner weiteren Behandlung
zugeführt werden mussten.
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