Vom Land Rheinland-Pfalz wurden 2003 zwei Abrollbehälter
mit Wasserfördersystemen HFS (Hytrans Fire System) der
niederländischen Firma Kuiken Hytrans BV beschafft. In kurzer
Zeit möglichst viel Wasser über große Entfernungen zu transportieren,
dafür konzipierte die Firma Kuiken Hytrans BV diese
Systeme. Einer dieser Abrollbehälter ist in Koblenz stationiert,
der zweite in Ludwigshafen. Oberbrandrat Markus Obel,
stellvertretender Amtsleiter bei der Berufsfeuerwehr Koblenz,
erläuterte den Einheiten der Verbandsgemeinde Braubach vor
der geplanten Gemeinschaftsübung dieses System.
In den Niederlanden sind die Abrollbehälter der Fa. Kuiken
Hytrans BV weit verbreitet. Großtanklöschfahrzeuge wie das
TLF 24/50 sind eher unbekannt. Das TLF 24/50 der BF Koblenz
wurde schon oft zur überörtlichen Hilfe angefordert, der
HFS Abrollbehälter allerdings noch nie. Obwohl die Lage diverser
Einsatzstellen ideal gewesen wäre. Das Einsatzspektrum
dieser Hochleistungs-Wasserfördersysteme reicht von Hochwasser
über Groß- und Waldbrände bis hin zu Schiffshavarien.
Gerade bei Großbränden stellt der Abrollbehälter eine echte Alternative
zu einem aufwändigen Pendelverkehr mit Tanklöschfahrzeugen
dar. Wird das HFS zum Auspumpen großer überfluteter
Bereiche benutzt, muss die Wassertiefe mindestens
30 cm betragen, und alles, was durch das Schutzsieb vor der
Pumpe passt, kann auch gefördert werden. Leider ist anscheinend
nicht hinreichend bekannt, dass Rheinland-Pfalz über
zwei solcher Systeme verfügt. Dieser Bericht soll helfen das Problem
zu beseitigen.
Da die Firma in den Niederlanden ansässig ist, wird der Abrollbehälter
bei der BF Koblenz auch gerne als AB-Holland bezeichnet.
Auf dem Behälter sind zwei Module verlastet. Das
erste Modul beinhaltet das Pumpenaggregat. Ein 150 kW-Antriebsmotor
versorgt über zwei 60 Meter lange Schläuche die
hydraulisch angetriebene Schwimmpumpe. Diese fördert 5.000
bis maximal 8.000 Liter pro Minute bei 8 bzw. 5 bar. Das zweite Modul ist ein Schlauchcontainer, in dem 1.100 Meter F-Druckschlauch
(DN 150 Millimeter) mit dazugehörigen Armaturen
sowie ein hydraulisch angetriebenes Schlauchaufnahmegerät
verlastet sind.
Nach einer kurzen theoretischen Unterweisung führten zwei
Einsatzbeamte der BF Koblenz das System den anwesenden
Einheiten der Verbandsgemeinde Braubach vor. Zunächst wurde
die Pumpeneinheit auf der Panzerrampe am Rhein abgesetzt
und die Schwimmpumpe mittels Arbeitsleine gesichert.
Das Absetzen des Pumpenmoduls und Wiederaufnehmen
des Schlauchcontainers erfolgt in einem Arbeitsgang, erklärte
Brandmeister Peter Schimmel. Nachdem der F-Schlauch
angeschlossen war, gab Brandmeister Sebastian Bell mit dem
Scania Wechselladerfahrzeug Gas. Bei einer Geschwindigkeit
von 4050 km/h entrollte sich der Schlauch automatisch und
in wenigen Sekunden lagen 600 Meter Druckschlauch auf der
Bundesstraße 42 bis zum Parkplatz des Kamp-Bornhofener Freibades.
Die Freiwillige Feuerwehr schloss dort ihre B-Schläuche
an zwei große Verteiler des Wasserfördersystems an, von
denen jeder einzelne fünf B-Abgänge besitzt. Sichtlich beeindruckt
waren alle Beteiligten über die Leistungsfähigkeit der
Pumpe, nachdem der Kamp-Bornhofener Wehrführer Manfred
Breitbach das Kommando Wasser Marsch gegeben hatte und
sich bis zu 5.000 Liter Wasser pro Minute aus den zahlreichen
Strahlrohren und Monitoren auf die Schwimmbadwiese ergossen.
Lediglich bei einem Wasserwerfer musste eine Verstärkerpumpe
dazwischen geschaltet werden.
Genauso reibungslos wie das Auslegen erfolgte die Aufnahme
der F-Schläuche am Ende der Übung. Mit dem hydraulisch
angetriebenen Aufnahmegerät HRU (Hose Recovery Unit)
ist eine fast automatisierte Schlauchaufnahme möglich. Unterstützt
von zwei bis drei Feuerwehrmännern ist es möglich,
eine Schlauchlänge von einem Kilometer in ca. 30 Minuten aufzunehmen.
Dieses Aufnehmen muss sehr sorgfältig erfolgen,
damit es beim nächsten Einsatz nicht zu Komplikationen während
des Ausrollens kommt, verdeutlichte Markus Obel bei
der abschließenden Übungsbesprechung.
Wenn die Einsatzlage es erfordert und genügend Wasser zur
Entnahme vorhanden ist, ist der AB-Holland eine echte Alternative
zur herkömmlichen Wasserförderung. Gegebenenfalls können auch beide Abrollbehälter aus Koblenz und Ludwigshafen
ergänzt durch weitere HFS von Werkfeuerwehren
zusammengezogen werden. Deutlich wurde bei der Übung auch,
dass das HFS schnell und personalsparend zum Einsatz gebracht
werden kann.
Vielen Dank an dieser Stelle an die Männer der Freiwilligen
Feuerwehren der VG Braubach, die diese Gemeinschaftsübung
trotz sehr kühler Temperaturen mit sehr viel Engagement
erst ermöglicht haben.
Technische Daten des HFS der BF Koblenz |
Hersteller: Firma Kuiken Hytrans BV
Baujahr: 2003
Generatorleistung: 150 KW
Pumpenleistung: 5.000 bis 8.000 Liter pro Minute
Schlauchlänge: 1100 Meter F Druckschlauch
(DN 150 mm)
Gewicht: 9000 kg
|
|